Rekonstruierte Tanzlinde in Peesten

© Rainer Graefe

rainer graefe

bauten aus lebenden bäumen - geleitete tanz- und gerichtslinden

2009 - laufend

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich für Vermessung und Geoinformation der Universität Innsbruck und der ETH Zürich.

Bei der geleiteten Linde werden die Äste zu einem waagerechten Laubdach gezogen, welches von Balken oder Säulen gestützt wird. Über diesem unteren Astkranz folgt häufig noch ein zweiter und dritter geleiteter Kranz. So entstehen Lauben und Säle mit durchfensterten Wänden aus Laubwerk. In den Baumkronen wird getanzt, darunter wird Gericht gehalten. Diese Umformung des Lindenbaums setzt eine beachtliche Kunstfertigkeit voraus und erfordert Pflege über viele Generationen. Die Ursprünge lassen sich bis in vorchristliche Zeit zurückverfolgen.

Die ungewöhnlichen, wenig bekannten Baum-Bauten mit ihren unterschiedlichen baulichen Ausbildungen wurden in einer langjährigen Forschungsarbeit untersucht. Die Fragestellung war interdisziplinär: die geleitete Linde als Randerscheinung der Architekturgeschichte war auch unter Aspekten der Kunst- und Literaturgeschichte, des volkstümlichen Brauchtums und Glaubens, der Stadt- und Gartengeschichte, der Kirchenhistorie und Rechtsgeschichte zu betrachten.

Entstehung, Verbreitung und Ausbildung der verschiedenen „Bautypen“ wurden umfassend analysiert. Die wichtigsten Beispiele wurden mit genau aufgemessen und gezeichnet (Dipl.-Ing. Ilsanker, Dr. Demjanov), ein Exemplar von unseren Geodäten (Prof. Hanke, Dipl.-Ing. Moser) gescannt – beides Neuheiten auf dem Felde der Bauaufnahme. Von ihnen wurden Modelle im Maßstab 1:20 angefertigt. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2009 im Archiv für Baukunst in einer Ausstellung gezeigt. Eine Dauerausstellung in einem dafür neu eingerichteten Museumsbau in Neudrossenfeld (Franken) wird Ende 2011 fertiggestellt sein. Eine Buchveröffentlichung ist in Vorbereitung.