Bozen, Monumento alla Vittoria, Marcello Piacentini 1928

© Postkarte, 1950er Jahre (Archiv bg+d)

Trento, Scuola elementare "Raffaello Sanzio", Adalberto Libera, 1934-36

© Elmar Kossel

tragbar,kossel

appropriationsstrategien

Die Appropriationsstrategien Italiens in Südtirol und dem Trentino nach dem Ersten Weltkrieg

2018 - 2020

gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung

Das Forschungsprojekt untersucht die Appropriationsstrategien, die der italienische Staat in den ehemals habsburgischen Gebieten Trentino und in Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg und verstärkt ab 1922 durch das faschistische Regime anwandte. Der Fokus soll dabei auf den staatlichen Baumaßnahmen liegen, die flächendeckend, aber mit unterschiedlicher Intensität und Gewichtung in den neuen Gebieten geplant und realisiert wurden. Dem Planen und Bauen kamen bei dem forcierten Italianisierungsprozess eine Schlüsselrolle zu, bei dem Topoi wie "italianità" und "modernità" die neuen kulturpolitischen Referenzpunkte bildeten, die jedoch im überwiegend italienischsprachigen Trentino anders zur Anwendung gebracht wurden als im überwiegend deutschsprachigen Südtirol.

Während für das italienischsprachige Trient vor allem die würdige architektonische Rahmung der von österreichischen Herrschaft "erlösten" Stadt und die propagandistische Herausarbeitung ihres italienischen Charakters im Vordergrund stand, war der Leitgedanke im deutschsprachigen Bozen die Unterwerfung der "fremdstämmigen" durch einen rassisch-ethnisch motivierten Städtebau.

Bislang wurde diese unterschiedlichen Appropriationsstrategien in der Forschung noch nicht mittels eines Vergleichs der beiden neuerworbenen Gebiete erarbeitet, was ein Forschungsdesiderat darstellt. Die unterschiedlichen Appropriationsstrategien bildeten modellhaft Leitmotive und Topoi aus, die im Falle des Trentino ab den späten 1920er Jahren vorbildlich für das Planen und Bauen auf der italienischen Halbinsel wurden. Im Falle Südtirols wurde ein rassisch-ethnisch motivierter Städtebau etabliert, der für die Eroberung der Kolonien von Mussolinis "Impero" maßgeblich wurde.

Die Projektergebnisse besitzen darüber hinaus Relevanz für die Denkmalpflege in Südtirol und dem Trentino. Aus der Analyse der Appropriationsstrategien lassen sich Qualitätsmaßstäbe für die Denkmalpflege entwickeln, die für die Unterschutzstellung Argumente liefern.